Almrausch (Rhododendron hirsutum): Alpin richtig pflanzen

Almrausch (Rhododendron hirsutum): Alpin richtig pflanzen

Heino Röttger

Der Almrausch (Rhododendron hirsutum) ist der Kalk-Rhododendron unter den Alpenrosen: Ein 20 bis 100 cm hoher, immergrüner Zwergstrauch der Ostalpen, der auf Kalk- und Dolomitschutt wächst — dort, wo die Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) aufhört. Für den Garten folgen daraus zwei Dinge. Sie müssen kein saures Moorbeet bauen. Und Sie dürfen ihn trotzdem nicht wie eine großblumige Gartenhybride behandeln.

Almrausch, Rostblättrige Alpenrose oder Bastard? Drei Merkmale entscheiden

Am Blattrand entscheidet sich fast alles. Halten Sie ein Blatt gegen das Licht: Beim Almrausch sitzen dort feine, steife Wimperhaare, die der Art ihren botanischen Namen gegeben haben. Danach drehen Sie das Blatt um — die Unterseite trennt die Arten endgültig.

Merkmal Almrausch (R. hirsutum) Rostblättrige Alpenrose (R. ferrugineum) Bastard-Alpenrose (R. × intermedium)
Blattrand deutlich bewimpert, Härchen gegen das Licht sichtbar kahl, glatter Rand schwach und unregelmäßig bewimpert
Blattunterseite hellgrün, zerstreut drüsig dicht rostbraun beschuppt grünlich mit einzelnen braunen Schuppen
Untergrund am Naturstandort Kalk, Dolomit, Kalkschutt Silikat, saurer Rohhumus Kontaktzonen beider Gesteine
Boden-pH im Garten etwa 5,5 bis 7,0 dauerhaft unter 5,5 dazwischen, eher sauer

Weitere deutsche Namen für dieselbe Art sind Almenrausch, Bewimperte Alpenrose und Steinrose. Der Bastard tritt dort auf, wo beide Arten aufeinandertreffen; im Handel spielt er kaum eine Rolle, im Zweifel klärt das Etikett mit dem botanischen Namen die Frage schneller als jedes Blattmerkmal.

Was „alpin" für den Gartenstandort heißt

„Alpin" ist keine Stimmungsbeschreibung, sondern ein Bündel messbarer Bedingungen. Die folgende Übersetzung nutze ich, wenn ein Kunde wissen will, ob sein Beet überhaupt infrage kommt — links die Herkunft, in der Mitte das Gartenäquivalent, rechts das Symptom, wenn der Punkt fehlt.

Am Naturstandort Entsprechung im Garten Fehlt es, zeigt sich das an
Monatelange Schneedecke: Gleichmäßig feucht, kein Kahlfrost ab November 5 cm lockerer Mulch aus Nadelstreu, Laub oder Rindenhumus braune Blattränder im Spätwinter
Hohe Einstrahlung bei kühler Luft Sonne bis lichter Halbschatten, aber keine aufgeheizte Südwand eingerollte Blätter und Blattnekrosen im Hochsommer
Flachgründiger, durchlässiger Kalkschutt durchlässiges Substrat, Ballen leicht erhöht gesetzt Wurzelfäule nach nassen Wintern
Kühler Wurzelraum unter Steinplatten flache Steine oder niedrige Bodendecker über dem Wurzelbereich Trockenstress schon nach wenigen Hitzetagen
Kurze Vegetationszeit auf magerem Boden eine schwache Düngergabe im Frühjahr, danach nichts weiche Langtriebe, die im Winter zurückfrieren

Zwei dieser fünf Punkte lassen sich später nicht mehr reparieren: Der Untergrund und die Nachbarschaft einer aufgeheizten Südwand. Alles andere ist Pflege, die Sie jederzeit nachziehen können.

Boden: Kalktolerant ist nicht kalkliebend

Der häufigste Fehler bei dieser Art ist gut gemeint. Der Gärtner kennt Rhododendren als Moorbeetpflanzen, hebt in schwerem Lehm eine Grube aus und füllt sie mit reiner Rhododendronerde. Das Ergebnis ist eine Wanne: Der Torfkörper saugt sich voll, der Lehm ringsum lässt nichts abfließen, und im zweiten nassen Winter kippt der Wurzelballen. Der Almrausch verträgt Kalk — er braucht ihn nicht, und er braucht erst recht keinen wassergesättigten Torfblock.

Ein Pflanzsubstrat, das an durchlässige Bergböden anschließt, mische ich zu gleichen Teilen:

  • ein Drittel vorhandener Oberboden vom Standort
  • ein Drittel Rindenhumus oder gut verrotteter Laubkompost
  • ein Drittel grober Sand oder feiner Splitt

Die Grube wird doppelt so breit wie der Ballen, aber kaum tiefer. Die Ballenoberkante setzen Sie 2 bis 3 cm über Geländeniveau und formen außen einen Gießrand — so steht der Wurzelhals auch dann trocken, wenn sich das Substrat im ersten Jahr setzt. Auf schwerem Lehm ohne Gefälle ist ein flach aufgeschütteter Hügel von 20 bis 30 cm die verlässlichere Lösung als jede noch so sorgfältig gemischte Grube. Wie eine großblumige Hybride dagegen im klassisch sauren Beet gepflanzt wird, zeigt die Anleitung zu Rhododendron Cunningham's White.

Gießen: Die Drei-Zentimeter-Regel

Gegossen wird nicht nach Kalender, sondern nach Fingerprobe: Erst wenn die oberen 3 cm des Substrats abgetrocknet sind, kommt Wasser — dann aber durchdringend, bei einer frisch gepflanzten Containerpflanze etwa 3 bis 5 Liter je Gabe. Tägliche kleine Mengen halten die Feuchtigkeit in der Mulchschicht fest und locken die flachen Faserwurzeln nach oben, genau dorthin, wo der Boden in der nächsten Hitzewoche zuerst austrocknet.

Ein praktischer Vorteil gegenüber anderen Rhododendren: Weil diese Art Kalk verträgt, ist hartes Leitungswasser hier deutlich unkritischer als bei säureliebenden Hybriden. Wichtiger als die Wasserhärte ist die Wintergabe. Immergrünes Laub verdunstet auch im Januar; wässern Sie deshalb an frostfreien Tagen, besonders bei Kübelpflanzen und in schneearmen Lagen.

Düngen: Eine Gabe, dann Schluss

Eine schwache Gabe organischen Rhododendrondüngers zwischen Ende März und Mitte April deckt den Bedarf in den meisten Gärten. Nach Ende Juni gibt es keinen Stickstoff mehr, damit die Triebe bis zum ersten Frost ausreifen. Wer einen alpinen Zwergstrauch auf Zuwachs düngt, bekommt weiches Holz — und im Februar die Rechnung dafür.

Schnitt: Korrektur statt Rückschnitt

Der Almrausch braucht keinen Formschnitt; sein gedrungener Wuchs ist die Sorte, nicht die Schere. Verblühtes brechen Sie mit seitlichem Daumendruck aus, ohne die darunterliegenden Knospen abzureißen. Korrekturschnitte gehören direkt hinter die Blüte, weil die Blütenknospen für das Folgejahr ab dem Hochsommer angelegt werden — wer im September zur Schere greift, schneidet die Blüte des kommenden Frühjahrs weg. Und rechnen Sie nicht damit, dass ein Rückschnitt ins alte Holz bei dieser langsam wachsenden Art in einer Saison wieder zuwächst.

Winter: Das Problem ist die Sonne, nicht der Frost

Eine Pflanze aus 1.500 m Höhe scheitert selten an Minusgraden. Sie scheitert an einem klaren Februartag: Die Sonne heizt das immergrüne Laub auf, die Blätter verdunsten, und der gefrorene Ballen liefert kein Wasser nach. Was danach als „Frostschaden" aussieht, ist Vertrocknung.

Drei Maßnahmen genügen: 5 cm Mulch ab November, eine leichte Schattierung aus Reisig oder Vlies an der Südseite in klaren Frostperioden, und Wasser an frostfreien Tagen. Bei Kübeln packen Sie den Topf ein, nicht die Pflanze — der Wurzelraum friert durch, die Krone nicht.

Kübel, Trog und Steingarten

Im Gefäß gelten schärfere Regeln als im Beet, weil das Substratvolumen den Wasserhaushalt begrenzt. Rechnen Sie mit mindestens 15 bis 20 Litern und 30 cm Durchmesser, darunter 3 bis 5 cm Splitt als Drainage; alle drei bis vier Jahre wird das Substrat erneuert, sonst sackt die Struktur zusammen und die Drainage wirkt nicht mehr.

Für eine geschlossene Fläche im Steingarten kalkulieren Sie über die Endbreite: Bei 40 bis 60 cm je Pflanze schließen drei Stück pro Quadratmeter die Fläche in etwa sechs bis acht Jahren. Ein Einzelstück bleibt dagegen jahrzehntelang ein Solitär — das ist bei dieser Art kein Mangel, sondern der Grund, warum sie in Trögen und Felsspalten funktioniert. Als Nachbarn passen Pflanzen mit demselben Anspruchsprofil: Erica carnea, Daphne cneorum, Pinus mugo und niedrige Polsterstauden.

Giftig: Was das für die Standortwahl bedeutet

Alle Pflanzenteile des Almrauschs gelten wie bei anderen Rhododendren als giftig; verantwortlich sind Diterpene aus der Andromedotoxin-Gruppe. Praktisch heißt das: Kein Platz direkt am Spielbereich, kein Standort am Weidezaun, und Schnittgut nicht in Reichweite von Weidetieren zwischenlagern. Für den Verdachtsfall gehört die Nummer der zuständigen Giftinformationszentrale an den Kühlschrank — nicht in einen Blogartikel, denn sie ist regional unterschiedlich.

Beim Kauf: Die Art wirklich bekommen

  • Das Etikett muss „Rhododendron hirsutum" nennen. „Alpenrose" allein ist im Handel auch ein Verkaufsname für großblumige Gartenhybriden.
  • Blattrand gegen das Licht prüfen: Keine Wimpern, keine Art — dann steht wahrscheinlich R. ferrugineum oder eine Hybride vor Ihnen.
  • Kleine Liefergrößen sind hier normal. Diese Art wächst langsam; 20 bis 30 cm hohe Ware ist kein Qualitätsmangel, sondern das Alter der Pflanze.
  • Am Ballenrand sollten helle, feine Faserwurzeln sichtbar sein, nicht dicke, im Kreis gewachsene Stränge.

Welche Liefergrößen, Wurzelbilder und Qualitätsmerkmale beim Bestellen sonst noch zählen, steht im ausführlichen Kaufcheck Almrausch Alpenrose kaufen.

Häufige Fragen

Sind Rhododendron und Alpenrose dasselbe?

Teilweise. „Alpenrose" ist ein deutscher Sammelname für einige Arten der Gattung Rhododendron, unter anderem für R. hirsutum und R. ferrugineum. Umgekehrt gilt das nicht: Die meisten Rhododendren im Garten sind großblumige Hybriden und keine Alpenrosen — auch wenn sie im Handel so heißen.

Blüht der Almrausch zweimal im Jahr?

Nein, er blüht einmal, je nach Höhenlage und Witterung etwa von Mai bis Juli. Wenn Sie eine zweite Blüte im Spätsommer suchen, fragen Sie beim Anbieter gezielt nach remontierenden Sorten und lassen sich die angegebene Blütezeit in der Sortenbeschreibung zeigen.

Wächst er auch im Flachland?

Ja. Kritisch ist nicht die Höhenlage, sondern die Kombination aus Sommerhitze, Trockenheit und staunassem Winterboden. In kühl-luftfeuchten Küstenregionen mit durchlässigem Boden ist die Art oft einfacher zu kultivieren als in heißen Weinbaulagen mit schwerem Lehm.

Wann der Almrausch die falsche Pflanze ist

In drei Situationen sollten Sie zu etwas anderem greifen. Wenn Sie in zwei Jahren einen blickdichten, hüfthohen Strauch brauchen — der Zuwachs dieser Art ist dafür zu gering. Wenn der Boden schwerer, staunasser Lehm ist und ein Bodenumbau oder Pflanzhügel nicht infrage kommt. Und wenn der einzige freie Platz vor einer besonnten Südwand mit Kiesabdeckung liegt.

Für diese Fälle sind kalktolerante Hybriden auf INKARHO-Wurzel oder kompakte Gartensorten die ehrlichere Wahl. Der Almrausch ist eine Pflanze für durchlässigen Boden und für Gärtner, die Zuwachs in Zentimetern und nicht in Metern messen.

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